Wer in München anfängt, macht früh dieselbe Erfahrung: Die interessanten Anzeigen verlangen drei Jahre Berufserfahrung, und die drei Jahre bekommt man nur über eine Stelle, die drei Jahre verlangt.
Das ist kein Eindruck, sondern messbar. Im Bestand dieses Portals waren am 16. September 2026 von 2.472 aktiven Anzeigen 1.824 ausdrücklich an Menschen mit Berufserfahrung gerichtet und 216 zusätzlich an Menschen mit Personalverantwortung. An Berufseinsteiger richteten sich 360 – knapp fünfzehn Prozent. Noch deutlicher wird es in den Stellentiteln: 393 Anzeigen tragen das Wort „Senior", 28 das Wort „Junior".
Dieser Text erklärt, woher das kommt, und beschreibt die Wege, die trotzdem hineinführen.
Warum so viele Anzeigen Erfahrung verlangen
Drei Gründe, die nichts miteinander zu tun haben und sich in derselben Zeile treffen.
Der Zuschnitt der Stadt. Die großen Blöcke des Münchner Marktes – Beratung, Wirtschaftsprüfung, IT, Bau – sind Projektgeschäfte. Wer dort arbeitet, wird beim Kunden eingesetzt und dem Kunden gegenüber begründet. Eine Person ohne Erfahrung ist in diesem Modell schwerer zu rechtfertigen als in einem Betrieb, der seine eigene Produktion besetzt.
Die Vorsicht beim Formulieren. Eine Anforderung in einer Anzeige ist eine Absicherung. Wer „mindestens drei Jahre" schreibt, kann später begründen, warum jemand nicht genommen wurde. Das Ergebnis ist eine Inflation von Anforderungen, die niemand ernsthaft prüft – und die trotzdem Menschen davon abhält, sich zu bewerben.
Die Kategorien selbst. In vielen Ausschreibungssystemen ist das Erfahrungsfeld ein Pflichtfeld mit wenigen Auswahlmöglichkeiten. „Mit Berufserfahrung" ist dabei die naheliegende Voreinstellung, auch wenn die Stelle es nicht verlangt. Ein Teil der 1.824 Anzeigen ist wahrscheinlich genau das: eine Voreinstellung, die niemand geändert hat.
Der dritte Punkt ist die gute Nachricht dieses Textes. Er bedeutet, dass die Anforderung in einem Teil der Fälle keine ist.
Wo die Türen tatsächlich offen sind
Die Einstiegsquote ist im Bestand sehr ungleich verteilt, und die Unterschiede sind größer als jede allgemeine Aussage über den Arbeitsmarkt.
Am offensten ist Marketing und Kommunikation: 31 von 54 Anzeigen richten sich an Menschen ohne Berufserfahrung. Bildung und Soziales kommt auf 24 von 46, Personal und Recruiting auf 16 von 30. Das sind kleine Rubriken – aber in ihnen ist der Einstieg der Normalfall und nicht die Ausnahme.
Am anderen Ende stehen die großen Felder. Gastronomie und Tourismus verzeichnet 10 Einstiegsanzeigen bei 163, Bau und Immobilien 15 bei 145, Gesundheit und Pflege 12 bei 110. IT und Software liegt bei 30 von 267, Finanzen und Controlling bei 35 von 304.
Die Lehre daraus ist nicht, das Feld zu wechseln. Sie ist, in den großen Feldern über andere Formate einzusteigen.
Die Formate, die als Tür gebaut sind
Neben den 2.181 unbefristeten Festanstellungen enthielt der Bestand am Stichtag 125 Werkstudentenstellen, 74 Ausbildungs- und Studienplätze, 49 Praktika, 29 Traineestellen und sechs Abschlussarbeiten. Zusammen sind das knapp 300 Anzeigen, die gar nichts anderes wollen als Menschen am Anfang.
Werkstudium. Der unterschätzteste Weg. Wer neben dem Studium in einem Haus arbeitet, ist bei der nächsten regulären Besetzung kein Bewerber mehr, sondern eine bekannte Größe. Sozialversicherungsrechtlich gilt das Werkstudentenprivileg nur, solange die Arbeitszeit während der Vorlesungszeit in der Regel zwanzig Wochenstunden nicht überschreitet; darüber hinaus ändert sich die Beitragspflicht.
Praktikum. Beim Praktikum lohnt ein Blick auf die Vergütung: Pflichtpraktika im Rahmen einer Ausbildung oder eines Studiums und kurze Orientierungspraktika sind vom gesetzlichen Mindestlohn ausgenommen. Ein mehrmonatiges freiwilliges Praktikum außerhalb dieser Ausnahmen ist es nicht. Wer unbezahlt arbeitet, sollte wenigstens wissen, ob er es muss.
Trainee. „Trainee" ist kein rechtlicher Begriff, sondern eine Beschreibung. Dahinter kann ein strukturiertes Programm mit Stationen stehen oder eine normale Stelle mit einem freundlicheren Titel. Fragen Sie nach: Wie viele Stationen, wie lang, mit welchem Anschluss – und ob der Vertrag befristet ist. Eine sachgrundlose Befristung ist bis zu zwei Jahren zulässig; was danach passiert, sollte vorher besprochen sein.
Ausbildung. 74 Plätze im Bestand, verteilt über alle Felder. Für Menschen, die aus einem anderen Beruf kommen, ist das ein Weg, der oft zu früh verworfen wird – dazu ausführlich Quereinstieg.
Wie man eine Anzeige liest, die nicht passt
Die praktische Kernfrage. Drei Regeln helfen.
Trennen Sie Muss von Kann. Fast jede Anzeige enthält beides, ohne es zu kennzeichnen. Formale Zugangsvoraussetzungen – eine Approbation, ein Meistertitel, ein Führerschein, eine Zulassung – sind harte Grenzen. Jahreszahlen und Werkzeuglisten sind es fast nie.
Bewerben Sie sich ab etwa zwei Dritteln Übereinstimmung. Das ist keine Regel aus einer Studie, sondern eine Konsequenz aus dem oben Beschriebenen: Wenn ein Teil der Anforderungen Absicherung ist, filtert eine wörtliche Lesart Sie aus einem Verfahren, in dem Sie eine Chance hätten.
Schreiben Sie über die Lücke, nicht um sie herum. Ein Anschreiben, das die fehlenden drei Jahre ignoriert, wirkt unaufmerksam. Eines, das sie benennt und daneben stellt, was stattdessen vorhanden ist – ein Projekt, eine Abschlussarbeit, eine Nebentätigkeit im Feld –, nimmt der anderen Seite die Arbeit ab. Wie man das aufbaut, steht in Anschreiben schreiben und Lebenslauf: Aufbau.
Der zweite Schritt ist leichter als der erste
Der wichtigste strategische Punkt zum Schluss. In einem Markt, der auf Erfahrene ausgerichtet ist, ist die erste Stelle die teuerste und die zweite fast geschenkt. Daraus folgt eine Reihenfolge, die vielen widerstrebt:
Nehmen Sie die erste Stelle nach dem, was Sie dort lernen, und nicht nach dem Gehalt. Der Unterschied zwischen zwei Einstiegsangeboten ist klein; der Unterschied zwischen dem, was sie in zwei Jahren aus Ihnen machen, ist groß. Und der zweite Wechsel – innerhalb des Hauses oder heraus – bringt in aller Regel mehr, als am Anfang zu verhandeln gewesen wäre. Wie man den inneren Wechsel angeht, steht in Interne Bewerbung; wann sich der Sprung nach außen lohnt, in Stellenwechsel in München.
Ein letzter Hinweis zur Suche: Viele Einstiegsstellen sind in den Rubriken schlecht auffindbar, weil ihre Titel ungewöhnlich sind. Suchen Sie deshalb zusätzlich direkt nach den Formaten – etwa nach Werkstudent, Trainee oder Praktikum. Das findet Anzeigen, die über keine Rubrik zu Ihnen kommen würden. Und weil der zweite Schritt über bekannte Häuser läuft: Die Übersicht der Arbeitgeber zeigt, wer fortlaufend ausschreibt – wer dort einmal als Werkstudent war, bewirbt sich beim nächsten Mal nicht mehr von außen.
Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen die offenen Stellen aus München, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.