Der Lebenslauf wird nicht gelesen, sondern abgesucht. Wer ihn schreibt, sollte deshalb nicht fragen, ob der Text gut klingt, sondern ob jemand in wenigen Augenblicken drei Dinge findet: was diese Person kann, wo sie zuletzt war, und ob sie den Arbeitsplatz erreichen kann.
Der dritte Punkt fehlt in den meisten Ratgebern. In einer Stadt, deren Arbeitsplätze zu einem großen Teil von Menschen besetzt werden, die nicht in ihr wohnen, ist er einer der wichtigsten.
Die Kopfzeile und die Adressfrage
Nach oben gehören Name, Anschrift, Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse aus Vor- und Nachname. Die Anschrift ist keine Pflichtangabe, und niemand darf Sie wegen Ihres Wohnorts benachteiligen. Weglassen ist trotzdem selten klug: Eine fehlende Adresse erzeugt genau die Frage, die Sie vermeiden wollten.
Drei Lagen, drei Umgangsweisen:
- Sie wohnen im Stadtgebiet. Dann schreiben Sie die Adresse hin, und die Sache ist erledigt.
- Sie wohnen im Umland oder pendeln aus der Region. Adresse hin, und im Anschreiben ein Halbsatz zum Arbeitsweg. Niemand rechnet Ihnen den Weg nach, wenn Sie selbst zeigen, dass Sie ihn kennen.
- Sie bewerben sich von weiter weg. Dann gehört in die Kopfzeile oder direkt darunter eine kurze Angabe zum Vorhaben: Umzug zum Eintrittstermin, oder bereits eine Zweitwohnung. Ohne diese Zeile landet Ihre Bewerbung in einem Stapel, den die Vorauswahl mit "zu weit weg" beschriftet – und dieser Stapel wird nicht mehr geöffnet.
Ein Datum und eine Unterschrift am Ende sind üblich, aber keine Bedingung. Ein Foto ist ebenfalls verbreitet und nirgends vorgeschrieben; verlangt werden darf es ohne sachlichen Grund nicht, weil das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz Benachteiligungen unter anderem wegen Herkunft, Geschlecht, Behinderung und Alter untersagt.
Was nicht hineingehört: Familienstand, Konfession, Zahl der Kinder, Gesundheitsangaben, Namen von Vorgesetzten. Nichts davon hilft bei der Einschätzung, und alles davon kann schaden.
Die Reihenfolge
Neueste Station oben, älteste unten – innerhalb jedes Blocks. Der Grund ist nicht Konvention, sondern Zeitersparnis: Die letzte Tätigkeit sagt am meisten über die nächste.
Welcher Block zuerst kommt, hängt an Ihnen. Mit Berufserfahrung steht die Erfahrung oben und die Ausbildung darunter. Ohne Erfahrung ist es umgekehrt, und dann tragen Praktika, Werkstudententätigkeiten und die Abschlussarbeit den Block.
Stationen beschreiben, ohne Luft
Unter jeder Station stehen zwei bis vier Zeilen. Die häufigste Schwäche darin ist die Zuständigkeitsangabe ohne Größe. "Betreuung von Kundenanfragen" trifft auf eine Werkstatt mit zwölf Kunden ebenso zu wie auf einen Servicedesk mit vierhundert Tickets am Tag.
Nennen Sie deshalb, was messbar war: Zahl der betreuten Einheiten, Teamgröße, Budget, Fläche, Schichtform, Dauer der Verantwortung. Wo sich nichts beziffern lässt, beschreiben Sie die Schnittstelle – mit wem Sie gearbeitet haben und worüber Sie allein entschieden haben.
Erfinden Sie keine Zahlen. Sie werden im Gespräch abgefragt, und eine Zahl, die Sie nicht erklären können, kostet mehr, als sie eingebracht hat.
Firmennamen, die hier niemand kennt
Ein Münchner Personalbereich kennt die großen Häuser der Stadt und kaum etwas darüber hinaus. Wenn Sie aus einer anderen Region kommen oder aus einem Betrieb, dessen Name nichts verrät, setzen Sie einen kurzen Zusatz in Klammern: Branche, Größenordnung, Ort. "Maschinenbau, rund 300 Beschäftigte, Raum Kassel" ist eine Zeile und erspart eine Rückfrage.
Umgekehrt gilt dasselbe für Münchner Häuser mit mehreren Gesellschaften: Wenn Sie bei einer Tochter beschäftigt waren, die anders heißt als die Marke, schreiben Sie beides hin – unter welchem Namen ein Haus hier auftritt, sehen Sie in der Übersicht aller Arbeitgeber. Sonst liest Ihr Gegenüber einen unbekannten Namen, obwohl es den bekannten meint.
Zeiten ohne Eintrag
Eine Lücke ist selten eine Zeit, in der nichts passiert ist. Meistens ist sie eine Zeit, die niemand aufgeschrieben hat.
Schreiben Sie deshalb hin, womit die Zeit gefüllt war: Umschulung oder Kurs, Elternzeit, die Betreuung eines Angehörigen, ein Jahr im Ausland, eine Phase der Selbstständigkeit, eine Krankheitszeit als gesundheitsbedingte Unterbrechung, schlicht auch die Suche nach der nächsten Stelle. Ein Halbsatz genügt; eine ausführliche Begründung macht aus der Nebensache erst ein Thema.
Zwei praktische Hinweise:
- Monatsangaben statt Tagesdaten. Wer im März geht und im Mai anfängt, hat mit Monat und Jahr keine sichtbare Lücke.
- Nichts weglassen, was überprüfbar ist. Wer im Lebenslauf falsche Angaben macht, riskiert die Anfechtung des Arbeitsvertrags und die Kündigung. Eine benannte Unterbrechung hat diese Folge nie.
Wenn die Unterbrechung daher rührt, dass Sie das Feld wechseln, ist das kein Mangel, sondern ein eigenes Thema: siehe Quereinstieg.
Kenntnisse mit Aussagekraft
Bei Sprachen hilft der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen von A1 bis C2 mehr als eine Selbsteinschätzung; wo eine Prüfung abgelegt wurde, nennen Sie sie. In einer Stadt mit vielen internationalen Standorten ist Englisch häufig Arbeitssprache und nicht Zusatzqualifikation – dann gehört die Stufe nach oben und nicht in die letzte Zeile.
Bei fachlichen Kenntnissen sind Balken und Sterne wertlos. Vier von fünf Punkten sagen nicht, ob Sie ein System bedienen, einrichten oder betreuen können. Schreiben Sie stattdessen, was Sie damit getan haben, oder unterscheiden Sie schlicht zwischen täglichem Einsatz und Grundkenntnissen.
Führerscheinklassen gehören hinein, wenn sie gebraucht werden – bei einem Servicetechniker oder im Außendienst ist das fast immer der Fall.
Länge, Datei, Lesbarkeit für Maschinen
Eine Seite beim Einstieg, zwei mit mehreren Jahren Erfahrung, drei nur bei einer wirklich langen Laufbahn. Alte Stationen dürfen zusammengefasst werden, die Schulzeit schrumpft auf den höchsten Abschluss.
Als Datei ein PDF, und zwar eines mit Text darin. Größere Häuser lesen Bewerbungen über ein Bewerbermanagementsystem ein; ein eingescanntes Blatt ist für dieses System eine leere Seite. Prüfen Sie es, indem Sie im PDF nach Ihrem Nachnamen suchen. Wird er gefunden, ist alles in Ordnung.
Tabellen mit unsichtbaren Rahmen, Textfelder und Grafiken mit eingebettetem Text sind aus demselben Grund riskant. Eine schlichte Zweispaltigkeit aus Datum und Inhalt übersteht jede Einleseroutine.
Für jede Bewerbung eine Fassung
Sie schreiben den Lebenslauf nicht neu, Sie sortieren ihn um. Nach vorn kommt, was zur ausgeschriebenen Stelle gehört; was nichts damit zu tun hat, wird kürzer. Ein Elektroniker, der sich in der Gebäudetechnik bewirbt, stellt andere Aufgaben nach oben als bei einer Bewerbung in der Instandhaltung – aus derselben Laufbahn.
Zum Schluss legen Sie das Blatt jemandem vor, der Sie nicht kennt, und fragen, was er darauf gefunden hat. Kommt dabei etwas anderes heraus, als Sie erwartet haben, stimmt die Gewichtung noch nicht. Gehen Sie danach die Anzeige ein letztes Mal durch und haken Sie jede Angabe ab, die dort ausdrücklich verlangt wird. An dieser Stelle scheitern Bewerbungen aus reiner Unachtsamkeit, und niemand außer Ihnen kann das verhindern.
Die Belege aus dem Anschreiben müssen sich hier wiederfinden; beides ist ein Dokument in zwei Teilen. Was im Stadtgebiet gerade zu Ihrem Profil passt, steht unter den offenen Stellenangeboten.
Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen die offenen Stellen aus München, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.