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Karriere

Der Münchner Arbeitsmarkt: welche Branchen wirklich ausschreiben

Wer in München sucht, sucht nicht in einem Arbeitsmarkt, sondern in einem halben Dutzend. Welche Branchen die offenen Stellen stellen – und was das für die eigene Suche bedeutet.

7 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Wer eine Stelle in München sucht, bekommt von der Stadt meistens ein Bild geliefert, das aus wenigen großen Namen besteht. Das Bild ist nicht falsch, aber es ist schmal. Für die eigene Suche ist die nützlichere Frage nicht, welche Unternehmen in München sitzen, sondern welche Branchen in München tatsächlich ausschreiben – und in welchen Größenordnungen.

Dieser Text beantwortet sie so weit, wie sie sich belegen lässt: an dem Bestand, der auf diesem Portal liegt. Das ist ein Ausschnitt und kein Abbild des ganzen Marktes. Wo er trotzdem etwas zeigt, steht unten dabei; wo er es nicht tut, ebenfalls.

Was hier gemessen wird – und was nicht

Alle Zahlen dieses Abschnitts stammen aus dem Bestand dieses Portals, gemessen am 16. September 2026. Zu diesem Zeitpunkt lagen 2.472 aktive Anzeigen vor, verteilt auf 893 Unternehmen.

Ein Stellenportal bildet nie den ganzen Markt ab. Es bildet ab, was die angeschlossenen Quellen liefern, und die liefern in manchen Branchen mehr als in anderen: Wer über die Arbeitsagentur, über Verbandsportale oder ausschließlich auf der eigenen Karriereseite ausschreibt, taucht hier nicht oder nur teilweise auf. Das betrifft erfahrungsgemäß besonders den öffentlichen Dienst, kirchliche Träger, Kliniken und kleine Handwerksbetriebe. Rechnen Sie den Bestand also nicht auf die Stadt hoch. Nehmen Sie ihn als das, was er ist: eine Stichprobe von mehreren tausend Anzeigen, die zur selben Zeit am selben Ort offen waren.

Vier Blöcke stellen die Hälfte der Anzeigen

Sortiert man den Bestand nach der Branche, die die ausschreibenden Unternehmen angeben, stehen vier Blöcke deutlich vorn. Unternehmensberatung, Wirtschaftsprüfung und Recht kommen auf 366 Anzeigen, IT und Internet auf 265, das Baugewerbe auf 258, Hotel, Gastronomie und Catering auf 233. Zusammen sind das 1.122 von 2.472 Anzeigen – gut 45 Prozent.

Dahinter folgt ein breites Mittelfeld: sonstige Dienstleistungen mit 174, Gesundheit und soziale Dienste mit 135, Versicherungen mit 91, Elektrotechnik, Feinmechanik und Optik mit 90, Maschinen- und Anlagenbau mit 81. Immobilien, Fahrzeugbau und Finanzdienstleister liegen bei je etwa 70, Banken bei 53, Transport und Logistik bei 51.

Die größten Einzelabsender kommen aus genau diesen vorderen Blöcken: EY mit 82 offenen Anzeigen, Drees & Sommer mit 81, KNDS mit 80 und BWI mit 77. Welche Häuser in München überhaupt in nennenswertem Umfang ausschreiben, zeigt die Übersicht der Arbeitgeber – 110 Marken mit jeweils mindestens fünf offenen Stellen.

Für die Suche ist weniger die Reihenfolge interessant als der Abstand. Die vier vorderen Blöcke sind nicht ein wenig größer als der Rest, sondern um ein Mehrfaches. Wer in einem von ihnen qualifiziert ist, sucht in einem Markt mit Auswahl. Wer es nicht ist, sucht in einem Markt, in dem einzelne Ausschreibungen zählen – und in dem eine Bewerbung, die zwei Wochen liegen bleibt, teurer ist.

Die Rubriken des Portals sagen dasselbe mit anderen Worten

Dieselbe Verteilung noch einmal, diesmal nach Berufsfeld statt nach Branche des Unternehmens. Finanzen und Controlling führt mit 304 Anzeigen, IT und Software folgt mit 267, Technik und Ingenieurwesen mit 240, Handwerk und Produktion mit 187, Vertrieb und Kundenservice mit 167, Gastronomie und Tourismus mit 163, Bau und Immobilien mit 145.

Im unteren Drittel wird es dünn: Marketing und Kommunikation kommt auf 54, Bildung und Soziales auf 46, Logistik und Verkehr auf 39, Personal und Recruiting auf 30, Naturwissenschaft und Forschung auf neun.

Dass Finanzen und Controlling vorn steht, ist keine Eigenheit der Zuordnung, sondern die Folge des ersten Blocks: Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung sind in München stark vertreten, und die Berufe, die sie ausschreiben, landen zum größten Teil in dieser Rubrik. Wer Steuerberater, Steuerfachangestellte oder Bilanzbuchhalter ist, hat in dieser Stadt einen anderen Suchaufwand als jemand mit einem Abschluss, für den zweistellige Anzeigenzahlen normal sind.

Die größte Rubrik ist keine Branche

Die mit Abstand größte Rubrik des Bestands heißt Weitere Berufe und enthält 499 Anzeigen – ein Fünftel des Ganzen. Das ist keine Aussage über den Arbeitsmarkt, sondern über die automatische Einsortierung: Was sich aus Titel und Text nicht sicher einem Feld zuordnen ließ, landet dort.

Für die Suche folgt daraus eine praktische Regel. Verlassen Sie sich nicht auf Rubriken allein. Ein Fünftel des Bestands ist über sie gar nicht sauber erreichbar, und gerade die ungewöhnlich benannten Positionen – die mit englischen Titeln, mit Produktnamen, mit Kunstwörtern – rutschen bevorzugt dorthin. Die Volltextsuche findet sie, die Rubrik nicht. Suchen Sie deshalb immer zweigleisig: einmal über das Feld, einmal über zwei, drei Begriffe, die in Ihrem Anzeigentext stehen müssten.

Homeoffice trennt die Branchen stärker als jedes andere Merkmal

Von den 2.472 Anzeigen weisen 1.249 eine Homeoffice-Möglichkeit aus. Interessant ist nicht dieser Durchschnitt, sondern wie ungleich er verteilt ist.

In der IT tragen 210 von 267 Anzeigen den Hinweis, in Finanzen und Controlling 236 von 304, in Recht und Beratung 52 von 82. Im Handwerk sind es 24 von 187, in der Gastronomie 28 von 163, in Gesundheit und Pflege 23 von 110.

Das ist keine Überraschung, aber es hat eine Konsequenz, die oft übersehen wird: In den Feldern mit hohem Homeoffice-Anteil konkurrieren Sie nicht nur mit Bewerberinnen und Bewerbern aus München. Eine Stelle, die drei Tage in der Woche von zu Hause erledigt werden kann, ist auch für jemanden aus Augsburg oder Landshut erreichbar. In den Feldern mit niedrigem Anteil ist die Anwesenheit die Bedingung – dort ist der Bewerberkreis kleiner, und die Wohnfrage entscheidet mehr als die Qualifikation. Die größten Absender dieser Felder im Bestand sind Hotel Bayerischer Hof mit 32 und Schön Klinik mit 18 offenen Anzeigen.

Wonach die Stadt sucht: Erfahrung

Ein Merkmal zieht sich durch alle Branchen. 1.824 der 2.472 Anzeigen sind ausdrücklich an Berufserfahrung adressiert, 216 verlangen zusätzlich Personalverantwortung. Nur 360 richten sich an Menschen ohne Berufserfahrung.

Das ist der prägende Zug dieses Arbeitsmarkts, und er zeigt sich auch in den Stellentiteln: 393 Anzeigen tragen das Wort „Senior", 28 das Wort „Junior". Wer am Anfang steht, sucht in München also nicht in einem kleineren Markt, sondern in einem anders geschnittenen. Wie man in ihn hineinkommt, steht in Berufseinstieg in München.

Was Sie mit dieser Verteilung anfangen

Drei Schlüsse, die sich aus den Zahlen ziehen lassen, ohne sie zu überdehnen.

Erstens: Die Branche entscheidet über die Suchdauer, nicht über die Qualifikation. Dieselbe Ausbildung führt in einem 300er-Feld zu einer Auswahl und in einem 30er-Feld zu einer Warteliste. Das ist kein Urteil über Sie, sondern über den Zuschnitt der Stadt – und es ist ein Argument dafür, den Suchradius um verwandte Rollen zu erweitern, bevor man ihn geografisch erweitert.

Zweitens: Die großen Blöcke sind auch die mit den großen Arbeitgebern. Beratung, Prüfung, IT und Bau schreiben in München nicht in Einzelstücken aus, sondern in Serien. Das ändert die Art der Bewerbung: Sie bewerben sich dort seltener auf „die eine Stelle" und häufiger bei einem Haus, das mehrere ähnliche Positionen offen hat. Woran man solche Arbeitgeber erkennt und was man vorher über sie wissen sollte, steht in Den Arbeitgeber recherchieren.

Drittens: Die kleinen Felder sind nicht die schlechteren. Neun Anzeigen in der Forschung heißen nicht, dass in München nicht geforscht wird – sie heißen, dass dieser Teil des Marktes über andere Kanäle läuft. In solchen Feldern ist die Initiativbewerbung kein Notbehelf, sondern der Normalweg.

Wer den Überblick behalten will, sieht sich die offenen Stellen am besten zweimal an: einmal breit über die Rubriken, um ein Gefühl für die Größenordnungen zu bekommen, und einmal eng über Suchbegriffe, um die Anzeigen zu finden, die in keiner Rubrik richtig einsortiert sind.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen die offenen Stellen aus München, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.

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