Ein Anschreiben ist kein Formular. Es ist eine Nachricht an ein bestimmtes Haus, und sie wird von jemandem gelesen, der dieses Haus kennt. Genau daran scheitern die meisten: Sie entstehen in der falschen Reihenfolge. Zuerst wird der Text geschrieben, danach wird der Firmenname eingesetzt.
Drehen Sie das um. Die Arbeit an einer Bewerbung beginnt nicht im Textprogramm, sondern bei der Frage, wem Sie da eigentlich schreiben.
Wer ausschreibt, und wer einstellt
In München ist das öfter nicht dieselbe Stelle, als man denkt. Größere Häuser treten nach außen unter einer Marke auf, beschäftigen aber über mehrere Gesellschaften: eine Holding in der Innenstadt, eine Service- oder Betriebsgesellschaft am Stadtrand, dazu Töchter mit eigener Geschäftsführung und eigenem Vertragswerk. Die Anzeige trägt die Marke, der Arbeitsvertrag später den Namen der Gesellschaft.
Für das Anschreiben ist das kein Detail. Ob Sie sich beim Klinikum selbst oder bei dessen Servicegesellschaft bewerben, entscheidet über Tarifbindung, Eingruppierung und darüber, wer Ihr Gegenüber im Gespräch ist. Wenn die Anzeige es nicht klar sagt, fragen Sie vor der Bewerbung telefonisch nach. Diese Frage ist nie unangenehm; sie ist der Beleg dafür, dass Sie wissen, was Sie unterschreiben.
Ein zweiter Blick lohnt auf den Umfang: Die Übersicht aller Arbeitgeber zeigt, wer im Stadtgebiet überhaupt ausschreibt, und die Seite einer Marke, wie viele Stellen dort gerade offen sind. Zehn offene Stellen in derselben Abteilung sind eine andere Lage als eine einzelne – im ersten Fall wird aufgebaut, im zweiten wird ersetzt, und das verändert, worauf Ihr Anschreiben zielen sollte.
Fünf Dinge, die vorher feststehen sollten
- Der Rechtsträger. Siehe oben. Er steht im Impressum und meist auch klein am Ende der Anzeige.
- Der Standort im Stadtgebiet. Eine Zentrale in der Innenstadt, ein Werk im Norden und ein Servicestützpunkt im Osten sind drei verschiedene Arbeitsplätze mit drei verschiedenen Arbeitswegen. Die Adresse steht selten in der Anzeige und fast immer auf der Karriereseite.
- Tarifbindung. Kommunale und staatliche Arbeitgeber wie die Landeshauptstadt München oder die Stadtwerke München zahlen nach Tarif; dort verhandeln Sie nicht über eine Summe, sondern über eine Entgeltgruppe und eine Stufe. In tariffreien Betrieben ist es umgekehrt.
- Größe und Rolle des Standorts. Ein Münchner Standort kann die Konzernzentrale sein oder eine von vierzig Niederlassungen. Das ändert, wie weit Entscheidungen laufen und wie schnell Sie eine Antwort bekommen.
- Wer die Anzeige verantwortet. Steht ein Name darunter, schreiben Sie an diesen Namen.
Mehr als eine halbe Stunde braucht das nicht. Es ist die halbe Stunde, die den Unterschied zwischen einer zugeschnittenen und einer verschickten Bewerbung ausmacht.
Der Anlass gehört nach oben
Der erste Satz soll eines leisten: erklären, warum diese Bewerbung gerade jetzt und gerade hier ankommt. Das kann eine Aufgabe aus der Anzeige sein, die Sie seit drei Jahren machen. Es kann ein Umzug sein, ein abgeschlossener Abschluss, eine Umstrukturierung beim jetzigen Arbeitgeber, ein Wechsel aus dem Umland ins Stadtgebiet.
Was es nicht sein darf, ist eine Höflichkeitsformel über Interesse und Aufmerksamkeit. Wer so beginnt, verschenkt die einzige Zeile, die mit Sicherheit gelesen wird.
Der Konjunktiv gehört ebenfalls nicht hinein. "Ich würde mich freuen" ist eine Vermutung über die eigene Stimmung; "Ich stelle mich gern vor" ist eine Aussage.
Zwei Punkte, nicht acht
Der Mittelteil ist keine Antwort auf die Anforderungsliste. Nehmen Sie zwei Punkte heraus – drei, wenn die Stelle breit zugeschnitten ist – und sagen Sie dazu etwas, das nur Sie sagen können.
Etwas sagen heißt: Umfang nennen. Nicht "Erfahrung in der Debitorenbuchhaltung", sondern für wie viele Gesellschaften, mit welchem System, seit wann. Nicht "Führungserfahrung", sondern wie viele Leute, in welcher Schichtform, mit welcher Fluktuation. Eigenschaftswörter können Sie streichen, ohne dass etwas verloren geht: Niemand bewirbt sich als unzuverlässig, deshalb trägt "zuverlässig" keine Information.
Der Rest der Anforderungen steht im Lebenslauf, und dorthin gehört er auch.
Der Absatz über das Haus
Ein einziger Satz genügt, wenn er stimmt. Brauchbar sind Anknüpfungspunkte, die Sie nicht von der Startseite abschreiben können: das Produkt, mit dem Sie gearbeitet haben, die Schnittstelle zu Ihrem jetzigen Arbeitgeber, ein Verfahren, das dort anders läuft als anderswo, der Zuschnitt der Stelle selbst.
Unbrauchbar sind Aussagen über Marktführerschaft und Innovationskraft. Die kennt Ihr Gegenüber, und es hat sie meistens selbst formuliert.
Anfahrt und Wohnort ansprechen
München ist eine Stadt, in die gependelt wird. Bewerbungen aus dem Umland, aus ganz Oberbayern und aus anderen Bundesländern sind hier der Normalfall, und in jeder Personalabteilung sitzt jemand, der schon erlebt hat, dass eine Zusage am Arbeitsweg gescheitert ist.
Nehmen Sie der Frage deshalb die Spannung, bevor sie gestellt wird. Ein Halbsatz reicht: dass Sie den Weg kennen und ihn fahren, dass Sie umziehen, dass Sie bereits im Stadtgebiet wohnen. Bei Schicht- und Nachtdiensten gehört dazu, ob Sie den Weg auch dann zurücklegen können, wenn die S-Bahn nicht fährt.
Was Sie nicht tun sollten: eine Umzugsabsicht behaupten, die keine ist. Danach wird im Gespräch gefragt, und zwar konkret.
Form
Eine Seite. Absender, Empfänger, Datum, Betreff, Anrede an eine Person, Text, Unterschrift.
In den Betreff gehört die Stellenbezeichnung im Wortlaut der Anzeige und die Referenznummer. Große Häuser führen mehrere Verfahren parallel über ein gemeinsames Bewerbermanagementsystem; die Nummer ist der Grund, warum Ihre Unterlagen bei der richtigen Abteilung ankommen und nicht bei der Vorauswahl liegen bleiben.
Als Datei ein PDF mit einem Namen, den man vorlesen kann. Wenn ein Onlineformular ein Feld für einen Anschreibentext hat, schreiben Sie dort hinein und hängen nicht zusätzlich ein Dokument an.
Wann Sie keines brauchen
Immer mehr Verfahren verzichten ausdrücklich darauf – in der Gastronomie, in gewerblichen Berufen, bei Schnellbewerbungen über ein Formular. Ist kein Feld dafür vorgesehen und wird keines verlangt, schreiben Sie keines.
Umgekehrt ist ein fehlendes Anschreiben dort, wo es gefordert wird, ein Ausschlussgrund, den niemand diskutiert.
Mehrere Bewerbungen gleichzeitig
Die Stadt ist groß, die einzelne Branche ist es nicht. Wer sich in derselben Woche bei vier Kanzleien oder drei Häusern derselben Gruppe bewirbt, sollte damit rechnen, dass man sich kennt. Vier identische Texte fallen dann auf, und zwar unangenehm.
Ein Grundgerüst ist trotzdem sinnvoll: Mittelteil und Form bleiben, Einstieg und der Absatz über das Haus entstehen jedes Mal neu. Das sind zwanzig Minuten pro Bewerbung statt zwei Stunden – und es ist der Teil, an dem der Unterschied sichtbar wird.
Wenn nach der Gehaltsvorstellung gefragt wird, gehört sie in den Schlussabsatz; wie Sie zu einer Zahl kommen, die in dieser Stadt trägt, steht in Gehalt verhandeln. Und rechnen Sie beim Eintrittstermin Ihre Frist ehrlich mit ein – welche gilt, sagt Ihnen Kündigung und Kündigungsfristen.
Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen die offenen Stellen aus München, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.