Was macht ein Steuerreferent?
Steuerreferenten arbeiten in der Steuerabteilung eines Unternehmens oder Konzerns. Sie erstellen und prüfen die Körperschaft-, Gewerbe- und Umsatzsteuererklärungen der Gesellschaften, berechnen Steuerrückstellungen und latente Steuern für den Jahresabschluss und stimmen sich dabei eng mit der Bilanzbuchhaltung ab. Ein großer Teil der Arbeit besteht darin, geplante Geschäftsvorgänge im Vorfeld steuerlich zu bewerten: Was passiert umsatzsteuerlich, wenn Ware über ein Konsignationslager in Frankreich läuft? Welche Folgen hat die Gründung einer Tochtergesellschaft in Polen? Welche Betriebsstätte entsteht, wenn ein Monteur acht Monate auf einer Baustelle im Ausland arbeitet?
Dazu kommen Umsatzsteuervoranmeldungen, Meldungen wie die zusammenfassende Meldung, Verrechnungspreisdokumentation, die Betreuung der steuerlichen Außenprüfung und die Kommunikation mit Finanzamt, Wirtschaftsprüfern und externen Beratern. In internationalen Unternehmen kommen Themen wie Quellensteuern, Doppelbesteuerungsabkommen und seit einiger Zeit die globale Mindeststeuer hinzu. Wer in einem kleineren Unternehmen arbeitet, deckt die ganze Breite ab; im Konzern ist die Arbeit stärker spezialisiert, etwa nur Umsatzsteuer oder nur Verrechnungspreise.
Wie wird man Steuerreferent?
Der übliche Weg führt über ein wirtschaftswissenschaftliches oder juristisches Studium mit Schwerpunkt Steuern, oft an einer Universität, häufig auch über die Hochschule für Finanzen und ein paar Jahre in der Finanzverwaltung. Ein zweiter, gut begehbarer Weg beginnt mit der Ausbildung zum Steuerfachangestellten, führt über die Fortbildung zum Steuerfachwirt und dann in ein Unternehmen. Viele Steuerreferenten haben zuvor in einer Steuerberatungs- oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gearbeitet und wechseln nach einigen Jahren auf die Mandantenseite.
Das Steuerberaterexamen ist keine formale Voraussetzung, wird aber von vielen Arbeitgebern erwartet oder zumindest gefördert. Ohne Examen ist der Einstieg möglich, der Aufstieg in Leitungspositionen fällt damit deutlich leichter. Quereinstieg aus der Buchhaltung oder aus dem Finanzamt kommt regelmäßig vor.
Was der Beruf verlangt
Steuerrecht ändert sich ständig. Wer den Beruf ausübt, liest dauerhaft Gesetzesänderungen, BMF-Schreiben und Urteile - das ist Teil der Arbeit, nicht ein Extra für den Feierabend. Die Belastung ist ungleich verteilt: Zum Jahresabschluss, zu Abgabefristen und während einer Betriebsprüfung wird es eng, dazwischen ist das Pensum meist gut planbar. Überstunden gehören in den Spitzenzeiten dazu, Schichtdienst nicht.
Die Arbeit ist überwiegend Bildschirmarbeit mit Tabellen, Steuersoftware und ERP-Systemen. Wer Genauigkeit und lange Denkketten nicht mag, wird unglücklich: Ein übersehener Paragraf kann sechsstellige Nachzahlungen auslösen. Gleichzeitig braucht es die Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte so zu erklären, dass Vertrieb oder Geschäftsführung eine Entscheidung treffen können. Homeoffice ist in vielen Unternehmen weitgehend möglich.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil bis hoch. Steuerliche Anforderungen nehmen zu, gleichzeitig fehlt es an qualifiziertem Nachwuchs, weil viele Absolventen in die Beratung gehen. Wer das Steuerberaterexamen hat, kann in nahezu jedem größeren Unternehmen unterkommen. Entwicklungswege führen zum Senior Tax Manager, zur Leitung der Steuerabteilung, in die Spezialisierung auf Umsatzsteuer oder Verrechnungspreise oder zurück in die Beratung. Auch ein Wechsel in angrenzende Bereiche wie Konzernrechnungswesen oder Treasury ist üblich. Routinearbeiten wie Voranmeldungen werden zunehmend automatisiert, die beratende Tätigkeit bleibt.