Was macht ein Elektromeister?
Elektromeister stehen zwischen Baustelle, Büro und Kunde. Sie kalkulieren Angebote für Elektroinstallationen, planen Verteilungen und Leitungswege, bestellen Material, teilen Monteure ein und kontrollieren, ob die ausgeführte Arbeit den Normen entspricht. Ein großer Teil des Alltags besteht aus Prüfen und Dokumentieren: Messprotokolle nach DIN VDE 0100-600, Isolationswiderstände, Schleifenimpedanz, RCD-Auslösezeiten, Abnahmen mit dem Bauleiter, Unterschrift unter das Inbetriebnahmeprotokoll. Wer im Handwerksbetrieb arbeitet, ist zugleich verantwortliche Elektrofachkraft und haftet fachlich für das, was die Gesellen verbaut haben.
Je nach Betrieb verschiebt sich der Schwerpunkt. Im kleinen Installationsbetrieb steht der Meister selbst noch auf der Leiter, im größeren Unternehmen ist er Bauleiter oder Projektleiter für Gewerbeobjekte, Photovoltaikanlagen, Ladeinfrastruktur oder Gebäudeautomation. In der Industrie übernehmen Elektromeister die Instandhaltung von Produktionsanlagen, organisieren Schichtpläne der Instandhalter und verantworten wiederkehrende Prüfungen ortsveränderlicher und ortsfester Betriebsmittel. Dazu kommt fast überall die Ausbildung: Auszubildende anleiten, Berichtshefte kontrollieren, auf Prüfungen vorbereiten.
Wie wird man Elektromeister?
Am Anfang steht eine abgeschlossene Ausbildung, meist Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik, für Betriebstechnik oder für Automatisierungstechnik, dreieinhalb Jahre dual. Danach folgt die Meisterprüfung im Elektrotechnikerhandwerk mit vier Teilen: fachpraktisch, fachtheoretisch, betriebswirtschaftlich-rechtlich sowie Berufs- und Arbeitspädagogik. In Vollzeit dauert die Vorbereitung etwa ein Jahr, berufsbegleitend am Abend und samstags zwei bis drei Jahre. Die Kurse laufen an Bildungszentren der Handwerkskammern und kosten mehrere tausend Euro; Aufstiegs-BAföG und der Meisterbonus einiger Bundesländer federn das ab.
Berufserfahrung wird für die Zulassung nicht zwingend verlangt, ist aber praktisch unverzichtbar, weil die Prüfung Planungs- und Kalkulationsaufgaben aus dem realen Betrieb stellt. Wer aus einem verwandten Metall- oder Mechatronikberuf kommt, kann über die Externenprüfung oder eine verkürzte Umschulung in das Elektrohandwerk wechseln.
Was der Beruf verlangt
Die Verantwortung ist der schwerste Teil. Ein Fehler in der Schutzmaßnahme kann Menschen töten, und der Meister unterschreibt. Dazu kommt Termindruck: Auf dem Bau ist das Elektrogewerk oft das letzte in der Kette und soll trotzdem pünktlich fertig sein. Überstunden in der Fertigstellungsphase sind üblich, Notdienst und Rufbereitschaft in vielen Betrieben ebenfalls. In der Industrie kommt Schichtarbeit dazu.
Körperlich bleibt es fordernd, solange man mitarbeitet: Arbeit über Kopf, in Schächten, auf Dächern, im Staub des Rohbaus. Wer den Betrieb führt, tauscht das gegen Papier ein, gegen Normenänderungen, Personalsuche, Nachträge und Zahlungsausfälle. Die Normen im Elektrobereich ändern sich laufend, Weiterbildung ist keine Kür.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und wird es bleiben. Wärmepumpen, Photovoltaik, Speicher, Ladepunkte und Netzertüchtigung brauchen Fachpersonal, das abnehmen und unterschreiben darf, und genau daran fehlt es. Betriebe suchen Meister als Nachfolger, weil viele Inhaber altersbedingt aufhören. Wege führen in die Betriebsleitung, in die Selbstständigkeit, in die Bauleitung großer Projekte, in den technischen Vertrieb oder als Sachverständiger in die Prüfung. Der Meistertitel eröffnet außerdem den Zugang zum Studium ohne Abitur.